Freitag, 23. März 2012

Über Klobrillen

Wie schnell die Welt ihre Meinung ändert. Nur ein wenig Frühling und man hat sich gleich mehr lieb. Gegenseitig, und wenn man Glück hat auch sich selbst.
Wir sind endlich wieder stolze Besitzer einer Klobrille, die ich diesmal wirklich ordnungsgemäß anbrachte und deshalb hoffentlich lange hält. Und ich habe ein Bett mit einer Kommode ersteigert, die auf Anfang 20 Jhd. geschätzt wurde, zwei schöne Stücke über die ich mich sehr freue. Ich mag diese alten Dinge viel lieber als die neuen. Sie sind nicht nur schöner, sondern haben auch mehr Gehalt [man möge mich da ruhig nostalgisch schimpfen].
Gestern las ich eine Art Zitat, in der man ein altes Ehepaar fragte, wie ihre Ehe Jahrzehnte überstehen konnte. Die Frau antwortete: Wir wurden in einer Zeit geboren, als man die Dinge noch reparierte. 

Das hat mich beeindruckt. Dieser eine Satz. Sicher trägt er auch schon Ansätze materialistischen Denkens in sich, da eine Beziehung mit einem Gegenstand verglichen wird, aber vielleicht kommen wir davon gar nicht mehr weg. Und im übertragenen Sinne verstanden, ergibt es sehr viel Sinn. 
Ich wünsche mich nicht zurück, nicht unbedingt. Ich bin eine, die sich immer mit den Dingen abfindet, also mit den Umständen [wenn ich könnte, würde ich das gerne ändern], zum Beispiel dauerte es ziemlich lange [in welchem Zeitraum hättet ihr eine neue besorgt?], bis ich die neue Klobrille angeschafft habe, da ich mich schnell daran gewöhnte; geht ja auch ohne. Und so ist es mit fast allem. Ich finde mich ab. Allein deshalb bin ich nicht rückwärtsgewandt.  Ich möchte nur gewisse mentalitäre Veränderungen kritisch betrachten und versuchen-wenigstens versuchen- in den gewissen vorgegebenen Rahmen meine eigenen Werte zu etablieren. 
Als ich diesen Satz las jedenfalls, wurde mir klar, dass es das ist, was ich schöner finde: Dinge zu reparieren. Und wenn ich es mir aussuchen darf, mir lieber einen Mann aussuche mit dem es hält, der Dinge auch lieber repariert. Damals habe ich mir nichts selbst ausgesucht. Ich muss mich von diesem selbstgemachten Vorwurf der Verantwortung befreien. Damals hab ich mir aussuchen lassen, weil es mir so beigebracht wurde, dass es sich so gehört. 
Heute möchte ich verstehen, dass die Alternative nicht sein soll, wahllos und auf Gut Glück herum zu probieren. Das ist nicht meines. 
Ich bin stolz auf diese Erkenntnis. Wenn man es so betrachtet, war ich nie begehrenswerter als jetzt, wo ich allein bin und "Nein!" sagen gelernt habe, meinen eigenen Willen entdeckt. [Irgend]Einen Mann zu haben, bedeutet nichts, bedeutet mir nichts. 

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