Verwurzelt
Dieses Bild soll halten, die Lieben vor roten Ziegelsteinen, die eine Schwester gleicht einer Schäferin, die andere einer kraus-lockigen Indianerin, Zwillinge; die Kinder einige noch patsch-händig, sitzen auf den Treppen, staunen und schauen rührend, alle zusammen.
Der Vater zieht das Gitter, die Stolperfalle vor dem Haus, mit einer müllmannorgangefarbigen Hebebühne aus dem Boden, in dem es fest verwachsen war, gut verwurzelt
heraus.
Ein Größerer der Kleinen kommt angerannt, nein- doch eher gehoppelt, mit einer Kamera in der Hand, mit dem Rücken zu Wand
hält er diesen Augenblicker fest. Ich aus der Entfernung, schauend, will auch festhalten. Die Welt ist heile- einen Moment lang. Ich halte es fest.
Lager-feuer
Wir machen ein Feuer mit Holz, das muss trocken sein und weg muss es auch. Wir stellen Ziegelsteine im Kreis auf. Wir brauchen noch Stroh, sonst brennt es nicht. Ich schneide meine rechte Hand am Stroh. Gott sei Dank, es brennt und blutet. Trotzdem fass ich es nun etwas vorsichtiger an.
Die Kinder hört man nicht, selbst wenn sie schreien, wir sind Holzsammler von Beruf Feuermacher.
Es ist genug Platz zum Atmen für jeden da und das Feuer hat genug Hunger, um allen Arbeit zu geben. Groß und Klein- absolut unwichtig. Wir sind- und das Feuer. Es brennt, es raucht. Mehr Holz muss her. Ich fasse in einen Zweig mit Dornen, der ist gebogen und will nur raus, wenn man ihn richtig herum dreht. Mir wird kurz schlecht. Ich schaue ins Feuer. Es brennt und raucht.
Die Zweige mit den Dornen sehen trocken aus, aber nur, weil ihre Rinde hart ist, innen sind sie saftig und weich, das ist der Grund, warum es raucht. Es gibt so viele Sorten von Holz.
Der Kleine schmeißt ein Stück einer (noch aus DDR Zeiten stammenden?) spanholz-bezogenen Tür ins Feuer-"Nein! Nur echtes Holz darf da rein!" "Warum?" "Weil das Feuer kein falsches Holz akzeptiert, es stinkt sonst und qualmt."
Die Luft ist voll Ruß, unsere Gesichter auch. In uns ein Feuer, das lange durstig war, viel zu lange. Mich interessiert keine der Fragen, außer wie man dieses Feuer am Leben halten kann. Es mag es, wenn ich mit dem Stock drin herum stochere, es glüht davon.
Die größeren Äste und Baumstümpfe die brennen nicht, meine Schwester sagt, da kommt nicht genug Sauerstoff ran. Sie verwandeln sich in Kohle, fast unbemerkt tun sie das. Stunden vergehen, nicht nur fast unbemerkt, die Zeit bleibt für den Augenblick stehen. Hier bin ich, ohne etwas sein zu wollen.
Als ich ankam, es ist übrigens schon Sachens-Anhalt, dachte ich und verabscheute dann gleich darauf meinen Gedanken: Was kann man aus dem Platz machen? Was aus diesen Gebäuden. Wir ließe es sich optimal nutzen?
Nutzen. Das man hier sein kann, wie misst man diesen Nutzen?
Der Abend kommt und das Feuer brennt. Die Kinder werden nicht müde, es ist als hätten sie die Energie des Feuers angezapft. Wir Großen wollen jetzt Ruhe haben. Gleich kommen die Sterne und da wollen wir dann Ruhe, spätestens. Feuer, Sterne und Ruhe. Aber die Kinder wollen Feuer und Sterne und Wach-sein. Aufkommende Dissonanz.
Ich bin wieder die Erwachsene, die genervte, die den süßen Kleinen am liebsten jedem ein Pflaster auf den Mund kleben würde und sie in ihren Schlafsäcken festschnüren.
"Wir haben auch ein Recht auf Ruhe!" Haben wir?
Irgendwann nach gefühlter Erichkeit (wie Ali früher zu sagen pflegte) und nach unzähligen Pschtts!, schlafen sie endlich ein.
Der Mond stünde schon hoch oben, wenn er nicht gerade schwindsüchtig wär.
Wir liegen im Gras, um das Feuer ist es noch warm, und schauen in die Sterne. "Da!", denke ich "eine Sternschnuppe!" und wünsch mir was. Die Sternschnuppe fliegt weiter, in einer merkwürdig geraden Linie; sie ist ein Flugzeug. Ob der Wunsch trotzdem in Erfüllung geht? Egal. Es ist mir egal.
Ich schaue in die Sterne und weiß, ich könnte das stundenlang tun, ohne zu denken oder zu zählen, einfach nur schauen. Immer und erich nur schauen.
Dieses Bild soll halten, die Lieben vor roten Ziegelsteinen, die eine Schwester gleicht einer Schäferin, die andere einer kraus-lockigen Indianerin, Zwillinge; die Kinder einige noch patsch-händig, sitzen auf den Treppen, staunen und schauen rührend, alle zusammen.
Der Vater zieht das Gitter, die Stolperfalle vor dem Haus, mit einer müllmannorgangefarbigen Hebebühne aus dem Boden, in dem es fest verwachsen war, gut verwurzelt
heraus.
Ein Größerer der Kleinen kommt angerannt, nein- doch eher gehoppelt, mit einer Kamera in der Hand, mit dem Rücken zu Wand
hält er diesen Augenblicker fest. Ich aus der Entfernung, schauend, will auch festhalten. Die Welt ist heile- einen Moment lang. Ich halte es fest.
Lager-feuer
Wir machen ein Feuer mit Holz, das muss trocken sein und weg muss es auch. Wir stellen Ziegelsteine im Kreis auf. Wir brauchen noch Stroh, sonst brennt es nicht. Ich schneide meine rechte Hand am Stroh. Gott sei Dank, es brennt und blutet. Trotzdem fass ich es nun etwas vorsichtiger an.
Die Kinder hört man nicht, selbst wenn sie schreien, wir sind Holzsammler von Beruf Feuermacher.
Es ist genug Platz zum Atmen für jeden da und das Feuer hat genug Hunger, um allen Arbeit zu geben. Groß und Klein- absolut unwichtig. Wir sind- und das Feuer. Es brennt, es raucht. Mehr Holz muss her. Ich fasse in einen Zweig mit Dornen, der ist gebogen und will nur raus, wenn man ihn richtig herum dreht. Mir wird kurz schlecht. Ich schaue ins Feuer. Es brennt und raucht.
Die Zweige mit den Dornen sehen trocken aus, aber nur, weil ihre Rinde hart ist, innen sind sie saftig und weich, das ist der Grund, warum es raucht. Es gibt so viele Sorten von Holz.
Der Kleine schmeißt ein Stück einer (noch aus DDR Zeiten stammenden?) spanholz-bezogenen Tür ins Feuer-"Nein! Nur echtes Holz darf da rein!" "Warum?" "Weil das Feuer kein falsches Holz akzeptiert, es stinkt sonst und qualmt."
Die Luft ist voll Ruß, unsere Gesichter auch. In uns ein Feuer, das lange durstig war, viel zu lange. Mich interessiert keine der Fragen, außer wie man dieses Feuer am Leben halten kann. Es mag es, wenn ich mit dem Stock drin herum stochere, es glüht davon.
Die größeren Äste und Baumstümpfe die brennen nicht, meine Schwester sagt, da kommt nicht genug Sauerstoff ran. Sie verwandeln sich in Kohle, fast unbemerkt tun sie das. Stunden vergehen, nicht nur fast unbemerkt, die Zeit bleibt für den Augenblick stehen. Hier bin ich, ohne etwas sein zu wollen.
Als ich ankam, es ist übrigens schon Sachens-Anhalt, dachte ich und verabscheute dann gleich darauf meinen Gedanken: Was kann man aus dem Platz machen? Was aus diesen Gebäuden. Wir ließe es sich optimal nutzen?
Nutzen. Das man hier sein kann, wie misst man diesen Nutzen?
Der Abend kommt und das Feuer brennt. Die Kinder werden nicht müde, es ist als hätten sie die Energie des Feuers angezapft. Wir Großen wollen jetzt Ruhe haben. Gleich kommen die Sterne und da wollen wir dann Ruhe, spätestens. Feuer, Sterne und Ruhe. Aber die Kinder wollen Feuer und Sterne und Wach-sein. Aufkommende Dissonanz.
Ich bin wieder die Erwachsene, die genervte, die den süßen Kleinen am liebsten jedem ein Pflaster auf den Mund kleben würde und sie in ihren Schlafsäcken festschnüren.
"Wir haben auch ein Recht auf Ruhe!" Haben wir?
Irgendwann nach gefühlter Erichkeit (wie Ali früher zu sagen pflegte) und nach unzähligen Pschtts!, schlafen sie endlich ein.
Der Mond stünde schon hoch oben, wenn er nicht gerade schwindsüchtig wär.
Wir liegen im Gras, um das Feuer ist es noch warm, und schauen in die Sterne. "Da!", denke ich "eine Sternschnuppe!" und wünsch mir was. Die Sternschnuppe fliegt weiter, in einer merkwürdig geraden Linie; sie ist ein Flugzeug. Ob der Wunsch trotzdem in Erfüllung geht? Egal. Es ist mir egal.
Ich schaue in die Sterne und weiß, ich könnte das stundenlang tun, ohne zu denken oder zu zählen, einfach nur schauen. Immer und erich nur schauen.

