Mittwoch, 23. November 2011

Schattenmann

In der Nacht entgleitet mir mein Leben. Jedes mal aufs Neue. Und jedes mal sammle ich es am morgen wieder zusammen. Ich komme nicht umhin diese Diskrepanz zu bemerken und frage in mich hinein: wessen Erbe trägst du da? [Eben weil es so unglaublich scheint, dass das allein mit mir zu tun haben soll.]
Heute Nacht war ich an vielen Orten. 
Erstmalig jedoch begegnete mir die Zweidimensionale. Es war in einer Bahn. Sie war nicht wie am Tage überfüllt. Ich stand dennoch. Da löste sich ein Schatten von der Wand. Ein Mann mit Hut, ganz grauschwarz und platt. Er drehte sich [nach rechts] in unsere dritte Dimension und fing an sich selbst anzupreisen. Er war irgendwie schüchtern oder wahrscheinlicher: einfach ungeübt und dennoch sehr von sich selbst überzeugt. Es war als gäbe er eine Kontaktanzeige auf, mitten in der Bahn. Die Menschen hörten ihm zu. Aber er wollte noch etwas anderes. Etwas, das wir nicht begreifen konnten. 
Und mit einem mal wusste ich, dass er gefährlich war. Auch wenn er keinesfalls den Eindruck machte, noch viel zu flach, viel zu sehr mit der Wand der Bahn verbunden, um eine Gefahr darzustellen. 
Im nächsten Moment las ich die Schlagzeilen von morgen und es handelte so viel ich verstehen konnte, von einem, der ganz viele Menschen auf einmal mit sich zog. Mehr ein Phänomen als eine Person und doch in der Gestalt einer Person. Die Zeitung stellte es als ein Mysterium da: Niemand könne doch an verschiedenen Orten gleichzeitig sein*. Plötzlich ertönte ein schauerliches Geräusch hinter meinem Rücken. Es war ein verhöhnendes Lachen und ein animalisches Brüllen in einem. Es war schrecklich. Ich erwachte zitternd. Meine Decke lag neben mir. Ich bemerkte, wie ich fror. 

* Argumentationskurs lässt grüßen.

Kommentare:

  1. Der zweidimensionale Mann ist nach zweimaligem Lesen das Internet. Ich glaube, es ist das Internet. *große Augen mach* Lach' nicht!

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  2. Ich lach ja gar nicht :). Ich habe es nämlich im nachhinein ähnlich interpretiert. Als das virtuelle, was auch Bücher mit einschließt. Schon krass, wie sehr mich diese Gefahr, die ich da sehe, bis in den Traum hinein begleitet.

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Mary am Meer

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