Sonntag, 9. Oktober 2011

Weil ich es wert bin

Du hast nicht verstanden
und das: leider nicht,
dass es eine
Auszeichnung ist,
wenn ich dir sage,
dass ich dich
mag.
Du hast es [wohl]  als Schwäche
verstanden
und schätzt es nicht-
weißt es
leider nicht
zu schätzen.

Das nächste Mal,
werde ich es
wieder sagen
jemand anderem
[du warst nicht wichtig genug
um mich zu lehren, dass man sowas nicht sagt.]
Ich sage es, wenn ich es fühle.
Ich zeige es, wenn mir danach ist.
So bin ich und wer das nicht verträgt
für den bin ich 
-leider für ihn-
nichts.

Ich hatte so meine Probleme, das "Gedicht"  stehen zu lassen. Weil es geradezu schreit: Ich bin es wert. Weil ich es wert bin. Und dazu noch, frech behauptet der andere wäre der zu Bemitleidende.
Und das kann ich nicht sehr gut. Das macht es um so wichtiger. Der Grund, warum ich nicht gut darin bin ist, dass ich erkennen muss, dass die eigene Aufwertung ein menschlicher Schutzmechanismus ist und im seltensten Fall der Wahrheit entspricht.

Ein abgewiesener Verehrer schrieb mir, dass ich eigentlich die bin, die etwas verpasst hat, dass er mir etwas zu geben gehabt hätte und ich lachte und dachte: Wenn du das unbedingt glauben musst, dann bitte schön!
Wie sollte ich danach dann dasselbe tun können? Das was viele bei mir mit mangelndem Selbstbewusstsein verwechseln, halte ich selbst für "ein mehr an Bewusstsein", ein über sich selbst hinausschauen.

Und dennoch...Jeder Vogelperspektive zum Trotz, bleibe ich ein Mensch. Ein stinknormaler Mensch. Und als dieser ist es mir erlaubt, muss ich eventuell sogar fühlen, dass der andere etwas schönes verpasst hat, in dem er sich nicht im gleichen Maße für mich interessierte. Das Wissen, dass es eigentlich eben nichts persönliches ist, sondern dass Leben eben "einfach" so ist, ist ja deswegen nicht vergessen. Es sind lediglich verschiedene Ebenen.
Wenn ich also meinem "Emotionalen Ich" erklären will, dass der Gedanke des "leider, für den anderen" absoluter Blödsinn ist, dann wird es sich unverstanden fühlen und sein abgewiesenes Bedürfnis wird tatsächlich mit mangelndem Selbstbewusstsein antworten. Es lernt, dass meine dominant-rationale Persönlichkeit, seine Wahrnehmung nicht schätzt und das subjektive Empfinden zugunsten einer objektiven Tatsache ins bodenlose relativiert. Aber genau hier liegt das/mein Problem. Wir bleiben immer Subjekt. Und als solches müssen wir uns auch begegnen.

Deshalb lasse ich es stehen. Mich selbst belächelnd und doch glaubend, dass ich es wert gewesen wär, von dem anderen entdeckt zu werden, dass ich das Interesse verdient habe. Wenn selbst ich das nicht glauben kann, wird es niemand glauben.

Kommentare:

  1. Natürlich wärst du es auch rein rational (das Wort ist so lustig) wert gewesen. Jener abgewiesene Verehrer wollte das Spiel des Sich-Entziehens und dann doch Begehrtwerdens nur trottelig beschleunigen, indem er schrieb: "Du hast was verpasst", anstatt dass er abwartet, bis du selbst durch seine Abwesenheit dieses Gefühl hast. Das war eben ungeschickt. Aber es ist egal, hoffentlich, für dich.

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  2. Ja- das war mir egal, es sollte nur als Beispiel dienen. [Klingt hart, so bin ich eigentlich nicht, aber dahinter steckt eine andere Geschichte]
    Was findest du denn so lustig an "rein rational"? Die Unmöglichkeit dieses Begriffes oder die Alliteration. Ich tippe eher auf die Unmöglichkeit des rein rational seins. Oder dass "rein rational" nicht mit "rein" passt. Reines Wasser, reine Seele, rein rational---döööt. Rein Rational wäre eben wortwörtlich genommen armselig und nicht rein...[Sorry, fürs Wirrwarr]

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  3. Haha. Das weiß ich gar nicht so richtig, was ich daran lustig finde. Ich muss eben mal nach Alliteration googlen, warte... Ah, verstanden okay. Mir fällt gerade ein, ich freue mich schon, wenn du mit soetwas kommst. Nach dem ersten Semester wirst du dich erstmal gar nicht mehr normal ausdrücken können. Hahaha. Ich weiß noch bei mir in den ersten zwei Semestern, da habe ich alles aus psychologisch/wissenschaftlicher Sicht betrachtet, erklärt, mich in dem Betrachtungsrahmen ausgetobt. Das war der Hammer. Hammernervig vor allem für die anderen. :D

    Hm. Rein rational... Vielleicht liegt's daran, dass ich noch nicht verstanden habe, was rational genau bedeutet. Schlimm so als Psychologin. Vielleicht liegt's aber auch daran, dass Ratio + Logik in sich geschlossen rein sein können (also nachvollziehbar, stringent, konsistent), aber nicht immer zur richtigen Schlussfolgerung führen, weil die Annahme (das Axiom) worauf sie basieren, falsch sein kann.

    Ehm. Sorry für's Wirrwarr.

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  4. :) Habe ja schließlich lange genug gewartet um endlich klugscheißern zu können, ne?
    Ich bin mir ziemlich sicher, dass du das nicht genau weißt, eben weil du eine Psychologin bist, weil du ganz genau weißt, wie schwer es zu definieren, greifen ist.
    Genau- wenn eine der Prämissen nicht stimmt, dann kann die Folgerung hundert Prozent korrekt, aber das Ergebnis wird es wahrscheinlich nicht sein.

    Aber es ist wohl auch die Ratio die den Wahrheitsgehalt der Prämisse einschätzen kann.
    Ich finde das Thema faszinierend, wenn ich es auch für überbewertet halte, die reine Ratio allein ist nicht weise. Sie ist ein wertvolles Werkzeug unserer Ichs, was immer das auch genau ist.

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  5. Miriam, Du bis es Wert, immer wieder von neuem entdeckt zu werden.

    “Überliefert ist, dass Hafez mit 60 Jahren in einem Freundeskreis eine 40-tägige meditative Nachtwache begann, an deren Ende er eine Art Bewußtseinserweiterung erlebte und sich im Geiste nach 40 Jahren wieder mit Attar traf.“ http://de.wikipedia.org/wiki/Hafes (9.10.2011). Warum soll dies auch uns nicht möglich sein?!

    Vor vielen Jahren verlor ich eine Freundin durch einen von ihr nicht selbst verschuldeten Unfall. Mir blieb erst einmal nichts anderes übrig, als das gemeinsam Erlebte zu verdrängen. Durch wiederkehrende Traumsequenzen entstehen immer wieder neue Fragen. Die sich über Jahre angehäuften Fragen beantworte ich mir nach und nach mit Hilfe intensiver Recherchen im Web und in Printmedien.

    Nach meiner persönlichen Meinung lohnt es sich, nahestehende Menschen immer wieder von neuen zu entdecken.

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  6. Lieber Henry-Jeder Mensch ist es Wert entdeckt zu werden!
    Welche Wege sich wann und warum wieder kreuzen, werden wir nie im Voraus wissen können, auch wenn wir manchmal so etwas wie Vorahnungen haben. es mag auch sein, dass die eine Seele etwas vor der anderen erkennt. Aber all das können wir aus der subjektiven Sicht heraus nicht wissen.
    Wir können aber darauf vertrauen, dass es so passiert wie es gut ist. Und meist mache ich genau das. Es gibt aber immer Momente im Leben, da gelangt man an die Grenze und vergisst sein Vertrauen für eine Weile.
    Aber nur um sich danach wieder daran zu erinnern, bewusster zu werden als davor, sich selbst und der Welt ein Stückchen näher gekommen zu sein. So sollte es sein. Wenn es auch oft nicht so ist.

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  7. Das mit deiner Freundin tut mir leid. Es ist dir wohl sehr nahe gegangen, wenn du es verdrängen musstest. Träume sind eine Therapie, können eine sein, wenn wir sie als weise Wegweiser schätzen lernen und unsere Angst vor ihrer Macht verlieren.

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Mary am Meer

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