Montag, 25. Oktober 2010

Erich Fried: Einige Irrwege

Einige Irrwege


Wer sich abwendet von der Schönheit
der begeht
Verrat an der Schönheit des Lebens
und an der Schönheit der Welt

Wer sich abwendet von der Häßlichkeit
der begeht
Verrat an den Leiden des Lebens
und kämpft nicht mehr gegen Unrecht

Wer nur noch die Schönheit sieht
der geht in die Irre
Wer nur noch die Häßlichkeit sieht
der geht in die Irre
Wer nur noch den Kampf gegen Unrecht sieht
der geht in die Irre

Wer glaubt nie zweifeln zu dürfen
an der Schönheit
an der Häßlichkeit oder sogar
am Kampf gegen Unrecht
der ist so arm geworden
wie der der zweifelt
und glaubt nie mehr glauben zu dürfen

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Kunst des Liebens meets Unbewusstes




Kaum schreibe ich über Träume, tauchen sie wieder auf; bunter, detaillierter, verrückter, als zuvor.

Ich lese gerade, die Kunst des Liebens von Erich Fromm und auch wenn ich noch nicht weit gekommen bin, habe ich es ins Regal "Gute Bücher" einsortiert. Und wie es mit guten Büchern so ist, hat es, obwohl es über 50 Jahre alt ist, durch die Zeit nur noch an Aktualität gewonnen.

Es ist halt kein billiger Ratgeber a la "du musst nur und alles wird gut", sondern eine Dokumentation über das, was wir Liebe nennen, eine Durchleuchtung unserer menschlichen Motivationen. Ich bin begeistert, aber auch entsetzt, weil ich das vernarbte Gesicht, das mir der vorgehaltene Spiegel zeigt, nicht sehen  möchte. Ich habe noch nie richtig geliebt, flüstert er mir zu.
Und auch, wenn viele  Menschen bestimmt weniger lieben, als ich und  dieses "richtig" sicher diskutierbar ist, trifft es mich. Weiterlesen, denke ich, von dem kannst du was lernen, er zeichnet dir ein scharfes Bild, von etwas, das dir nur als Wolkenfetzen im Kopf herum geschwebt ist. Er schreibt über unser Urbedürfnis unser Getrennt sein zu überwinden und ich erinnere mich an die Zeit, in der ich dieses Gefühl gelebt habe, bis ich es kaum mehr ertrug.
Ich lese immer Stückchen weise und auf einmal ist das Buch verschwunden. Ich suche es, unter dem Kopfkissen, unter dem Bett, im Bücherregal, auf der Couch, in der Küche, auf der Bank im Flur, suche es und finde es nicht, bis ich meinen Kleiderschrank aufmache und dort liegt es. Natürlich habe ich sofort mein Unbewusstes im Verdacht, und meine es ganz leise aufstöhnen zu hören: Mist!

Weiterlesen, denke ich und bin nachsichtig bin meinem kleinen Biest:
Ich mag dich auch mit deinen Narben. Und außerdem kannst du gar nichts dafür. Niemand kann etwas dafür. Aber ich kann etwas dafür tun, mich mit dir zu vertragen. Also, verstecke mir bitte nichts mehr, was wichtig für uns ist, auch wenn es weh tut.
Ich höre nichts mehr. Anscheinend ist es noch nicht ganz überzeugt.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Über Träume


Das erste, was mein Kleiner mir heute mitzuteilen hatte, ich noch ganz schlaftrunken, am Wasser aufsetzen, in einem Topf, da mein Wasserkocher durchgebrannt ist, Kaffeefilter in den Filter legen und Kaffee hineinschütten*:
"Weißt du Mama, Träume sind was besonderes. Sie erinnern sich an Sachen, die ich sogar vergesse habe!"
Ich versuchte ihm, trotz Halbschlaf ziemlich gerührt, etwas vom Unbewussten zu erzählen, aber er schaute mich nur an, als hätte ich etwas völlig Unsinniges erzählt und total am Thema vorbei geredet und  überhaupt nichts verstanden, so wie das Erwachsene  manchmal halt tun.
"Ich hatte heute einen guten Traum!", verriet er mir, nachsichtig wie er ist, trotzdem. Und diesmal reagierte ich seinen Erwartungen gemäß und war die Zuhörerin, die er brauchte. "Gute Träume sind schön, willst du mir davon erzählen?"

Es ist nicht einfach Kindern etwas zu erklären, so dass sie es verstehen, mir jedenfalls fällt es oft schwer. Letztens zum Beispiel wollte Ali den Unterschied zwischen Zwei- und Dreidimensional erklärt bekommen. Ich fing mit Bildern an, das diese zweidimensional sind, also flach und wir uns die dritte Ebene dazu denken müssen. Und dass wir nur dreidimensional sehen, weil wir zwei Augen haben, aber selbst wenn wir uns ein Auge zu halten, die dritte sehen, weil unser Gehirn, sie  automatisch hinzufügt. Er wurde ganz ungeduldig: "Mamaaa, ich will nur wissen, was 3D ist?!" "Ok...erinnerst du dich, als wir den 3D Film geguckt haben und diese Brille auf hatten? Und als du dich erschreckt hast, weil die Hand plötzlich aus dem Bild herauszukommen schien? das ist 3D!" Damit war er dann zufrieden. 

Aber um noch einmal auf die Träume zurückzukommen. Sie sind wirklich etwas besonderes, auch wenn ich mich an meine zur Zeit kaum erinnern kann, außer einzelne Sequenzen. Nicht einmal Alpträume, an die ich mich erinnern könnte. Entweder ist das ein gutes Zeichen oder meine Träume sind so schrecklich, dass ich sie noch vor dem Aufwachen zensiere und schnell ins Unbewusste zurück stopfe.
Wie auch immer, ich interessiere mich für das Phänomen Traum.  Ich glaube, dass er  uns wirklich etwas zu sagen hat, dass er ein zusätzliches Bewusstsein in uns drin ist, das viel mehr Zugang hat, als unser begrenztes Ich. Zugang zu einem äußeren, kollektivem Bewusstsein und zu unserem inneren Eisberg, unter der Oberfläche.

Wenn wir in einer Gesellschaft leben würde, die ihre Riten gewahrt  und nicht gegen dekadente Oberflächlichkeiten ausgetauscht hätte, dann wäre unser Zugang zu uns und der Welt nicht so verstopft, würden wir nicht an chronischer Bewusstseinsverstopfung leiden, da bin ich sicher. 
Wir würden ums Feuer sitzen und viel wissen, ohne es je gelernt zu haben. Wir würden verstehen, in dem wir unsere Träume verstehen und ihnen helfen einen Zugang in diese Welt zu geben. Und wir würden unsere Wunden heilen, in dem wie uns in die Augen sehen. Wir würden andere Wege kennen zu wachsen, als durch Krisen.
Das hört sich esoterisch an, was für mich eine Art Schimpfwort ist und deshalb nicht mag.
Ich nenne es lieber: Der Indianer in mir. 


Erkenntnis, indem wir uns verbinden, mit unserem Inneren (den Träumen) und dem Außen (der Natur, zu der auch andere Menschen gehören).

Beobachtet einmal eure Träume und versucht  sie nicht  mit der Ratio zu interpretieren. Lasst sie auf euch wirken. Schreibt  auf, an was ihr euch erinnern könnt, denn direkt nach dem Aufwachen sind sie oft noch klar, so klar, wie unser Bewusstsein es verkraften kann. Schaut, ob sich eine Beziehung entwickelt, wenn ihr euren Träume zuhört. Es kann sein, dass sie es aufgegeben haben, uns etwas zu sagen, weil wir nie zu gehört haben! Also habt Geduld, ich werde auch geduldig sein!

*wenn ich auf irgendwas zu reduzieren bin, dann darauf, dass ich den Geruch von Kaffee liebe. Stand auf ihrem Grabstein: Sie hat den Geruch von Kaffee geliebt!

Montag, 18. Oktober 2010

Hagen Rether - Türkei und Wülfgüng Schüblü



Ach Hagen, ick lieb dir!


"Hat nicht jedes Land einen Marshall-Plan im Hintern stecken..... bis zum Anschlag" :D
"Und das Fremde ist uns irgendwie ecklig..."


Und hier (vor allem für Sherry), was ich gerade entdeckt habe, er redet über Lehrer, vor allem aber über Klischees:
http://www.youtube.com/watch?v=N9TuPgkjWV4&feature=related


Und eins seiner mutigsten (hab ich schon gesagt, dass ich ihn liebe?):
http://www.youtube.com/watch?v=5fyPn2EDPbg&feature=related



Einzelgängerverein



Es war das Gefühl, allein zu sein, inmitten der Masse, das mir nie das Zuhause gab, das jeder Mensch sucht. Einsam unter Vielen, konnte ich nirgendwo einfach mitschwimmen, mitschreien, mitten drin sein, nicht weil sie mich nicht ließen, nein. Ich konnte nicht, weil mein Blick immer auf die gerichtet war, die am Rande standen, die sie ausschlossen, aus ihrem Kreis der Verbundenheit, und ich zog es vor, eine von ihnen zu sein. Unterdrückte mein Verlangen nach Zugehörigkeit, der Schwachen wegen. Den (anerzogenen?) Sinn für Gerechtigkeit in mir, konnte ich nie abstellen, ausrotten, mir abgewöhnen. Es ist wie das Rauchen für andere, sie können hundert mal aufhören und fangen doch immer wieder damit an. Und es gab Zeiten, da wollte (und will ich) mich davon befreien, um meiner selbst Willen, weil ich keine sein möchte, die sich über andere erhebt, auf sie hinunterschaut, eine einsame, selbstgerechte Ritterin des Rechts. Und letztendlich, weil ich mich doch nach dieser Einheit mit anderen meiner Rasse sehnte, eins sein wollte mit vielen. Manche meinen, das mache mich besonders liebenswürdig, aber sie haben Unrecht, es machte mich nur melancholisch. Mittlerweile weiß ich, dass ich nicht allein bin, dass ich diese gefühlte Einsamkeit mit anderen teile, die mir ähnlich sind. Und zusammen, mit diesen selbst gewählten Einzelgängern, fühle ich Verbundenheit.

Sonntag, 17. Oktober 2010

The Princess of Phalafel and Philosophy

Ich bin doch zu Hause geblieben, ruft die große weite Welt, mich noch nicht laut genug! Da ich eh ein wenig angeknackst bin, wird mir die Ruhe gut tun. Was für ein Luxus, ganz für sich allein zu sein!

Heute kam mir (wahrscheinlich durch die vielen traurig machenden Diskussionen) der gemeine Gedanke, dass der Grund der Überfremdungsangst vieler Deutschen, in einer Störung in der analen Phase zu finden ist.

Und Ihr werdet es kaum glauben, ein Freund fand heute heraus, was ich studieren sollte : Philosophische Anthropologie. Taräää! 
(Und das obwohl ich ihm nicht einmal meine Gedanken über den Anal-Charakter der Deutschen mitteilte.)
Nebenbei helfe ich meinem Vater in seinem Laden, werde also:

 The Princess of Phalafel and Philosophy!
Taräää! 

Dann kann ich im Laden gleich meine Menschenkunde anwenden und werde sicherlich anhand der Kunden zu einem bahnbrechend neuen Ergebnis kommen, das das gesamte Menschenbild zum vierten Mal auf den Kopf stellt. Noch einmal zur Erinnerung, die drei größten Desillusionierungen waren:

"1. Kopernikus (1473-1543) stellte fest, dass sich die Erde nicht im Mittelpunkt des Alls befindet, sonders dass sie sich mit vielen anderen Planeten um die Sonne dreht. Die Erde ist nicht der Mittelpunkt des Alls und auch keine Scheibe! 

2. Darwin (1809-1882) stellte mit seiner Evolutionstheorie (1859) fest, dass der Mensch Ergebnis der Evolution, wie alle anderen Lebewesen ist und nicht von Gott am 6. Tag ihm ebenbildlich auf die Erde gesetzt wurde. Der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung 

3. Sigmund Freud (1856-1939) beschrieb das Triebhafte im Menschen. Das Es, unbewusst gesteuert. Jeder Mensch enthält etwas unkontrollierbares und ist ein Stück weit von seinen Trieben gesteuert"

Lustigerweise hat Freud diese Liste wohl selbst zusammengestellt! Da werde ich es doch wohl schaffen durch die brillante Kombination von Falafel und Philosophie das vierte Element zu finden, dass den Menschen nachhaltig in seinem Weltbild erschüttert. Vielleicht komme ich auch, durch das Inhalieren des Frittieröls, auf die Idee, den Menschen alle drei Glaubensätze wieder zurück zu geben! Vielleicht freuen sich sich daraufhin so sehr, dass sie mir ihren zwanghaften, neurotischen Verlustängste als Opfergabe überreichen, die ich dann weise, wie ich bin, zu würdigen weiß und sie feierlich im Bio-Müll begrabe.

Ich wünsch euch eine wunderbare Nacht, nehmt diesen Eintrag nicht ernst (außer das mit dem Anal-Charakter)..bin etwas überdreht. 

Heiser geschrieben



Mein Hals ist heiser, habe zu viel geschrieben die Tage. Wer wissen will was, der gucke hier.
Heute Abend hab ich frei. Soll heißen, ich kann lassen, machen, was immer ich auch will! Nur was will ich?
In meinem Kopf spinnt sich ein Abenteuer zusammen, ich ziehe einfach los, zum Beispiel Friedrichstrasse und tue so, als wäre ich eine Touristin, die sich zum ersten Mal Berlin anschaut, mit ganz neugierig Augen.
Ich würde gerne etwas ganz neues erleben, mich selbst überraschen, Abenteuer halt. Bei einem Abenteuer geht es immer ums erleben, nicht ums theoretisieren, sondern ums fühlen.
Genau, ich begebe mich also in die Stadt und versuche präsent zu sein, was mir vielleicht gelingt, wenn ich meine Persönlichkeit einmal beiseite legen kann und in die Rolle einer Touristin schlüpfe, die ganz fremd hier ist.


Oder ich nehme das oben gemalte Bild (Ok, das wäre sperrig 100x80 cm und ich bin gerade mal 1,60cm) und schaue, ob ich es irgendwo hinhängen darf.
Immer wenn ich einem Kunden ein Bild persönlich brachte (das ist 3x passiert) und es nur in Klarsichtfolie einwickelte, weil es für alles andere zu sperrig war, dann waren die Menschen auf der Straße und in der U- Bahn sehr neugierig und das mag ich, wenn ihr Desinteresse/Scheu von ihrem Interesse/Neugier besiegt wird und ihre Schutzmauern aus Gleichgültigkeit durchbricht.


Leider sind meine Vorstellungen aber oft auch mutiger, als ich es bin und es ist wahrscheinlich, dass ich im Endeffekt einfach hier bleibe, weil ich mich nicht traue, weil ich nicht genau weiß wohin, weil es draußen kalt ist, weil ich doch eh mal in Ruhe schreiben wollte ............

Samstag, 16. Oktober 2010

Zitat/ Heinrich Heine



"Als mich die Pfaffen in München zuerst angriffen, und mir den Juden aufs Tapet brachten, lachte ich – ich hielts für bloße Dummheit. Als ich aber System roch, als ich sah wie das lächerliche Spukbild almählig ein bedrohliches Vampier wurde, als ich die Absicht der Platenschen Satyre durchschaute, […] da gürtete ich meine Lende, und schlug so scharf als möglich, so schnell als möglich.“ Heinrich Heine



Freitag, 15. Oktober 2010

Rückblende


Dieses Foto gehört zu dem gefallenem Blatt unter mir. Es war Herbst 2006 oder 2007 und auch wenn ich jetzt nicht rückblickend versuchen möchte, meine Wandlung/Gedanken/Gefühle wiederzukäuen, war diese Zeit einschneidend für mich. Im Rückblick hat sich doch einiges getan!

Vielleicht erinnern sich einige noch an mein Namensdilemma, ob ich nun Miriam oder Maryam bin. Und auch wenn ich das sicher schon vorher irgendwie wusste, stieß ich letztens auf folgendes bei Wikipedia:

"Maryam, Mariam, Meryem oder Marjam مريم‎ ist die arabische Abwandlung des weiblichenVornamens Miriam (vgl. Maria). "

Es ist also wirklich der selbe Name und ich frage mich nun, was ich für ein Problem hatte!

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Herbst 2010



Wenn ich im diesen Herbst spazieren gehe und dabei all die fallenden Blätter sehe, dann finde  ich, dass es gar nicht schlimm ist, zu sterben; jedenfalls nicht, wenn ich sein könnte, wie dieses Blatt, das eines Tages, in einem bestimmten Augenblick, herabfällt oder segelt, unbeobachtet von der Welt, still für sich, vergeht. Es fragt sich nicht, ob das gut ist oder schlecht*1,ob es  will oder nicht, denn dieses Blatt kennt kein Ich. Es ist ein Teil des Ganzen, findet seinen Platz,ohne je danach zu suchen, ganz natürlich.

Nicht dass irgendwer auf die Idee kommt, ich möchte es den Blättern nachmachen, im Gegenteil; ein Leben scheint mir nicht einmal genug. Ich klammere, wie die meisten von uns,  an ihm und fürchte mich vor meinem Ich-Verlust, auch wenn mich meine Nicht-Existenz, bevor es mich gab, wohl auch nicht sonderlich gestört hat, vermutlich. 

Aber ich versuche auch den Tod nicht zu verdrängen, denn er ist eines der wenigen sicheren Dinge in unserem Leben; alles was entsteht, vergeht; der Kreislauf des Leben.  Es kommt mir so vor, als würde der Herbst mit uns das Sterben proben, ein Lehrer, der uns Jahr für Jahr, sehr geduldig und doch unerbittlich lehrt, loszulassen. Könnten wir doch nur einen Augenblick zu diesem Blatt werden, endlich aufhören uns zu wehren und uns einfach*2 hingeben. 

Außerdem liebe den Herbst, weil er die Sonne noch wertvoller macht, genauso wie  die letzten fünf Minuten beim Besuch immer die aufregensten waren (ging es euch auch so, dass ihr stundenlang mit  Besucherkinder da saßt, euch langweiltet und erst, wenn eure oder die andere Mutter meinte, ihr müsstet jetzt gehen, es anfing unheimlich spannend zu werden?) .




*1davon gehe ich einfachmal ganz frech aus
*2 wobei einfach nicht im Sinne von "es ist ganz leicht" zu verstehen ist, sondern eher im Sinne von bedürfnislos.
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Vor ziemlich einem Jahr, schrieb ich unter dasselbe Bild:FOLGENDES
Im Nachhinein nenne ich es: Diskussion des ES mit dem Über-Ich ;).

Sonntag, 10. Oktober 2010

Schreiben

Sagte mein Ex-Mann zu meinen Kinder, ich sei eine Schlampe. Leider hat er Unrecht.

Ich vermeide es eigentlich Details über mein Privatleben preiszugeben; jedoch  mit meinen Gedanken bin ich offen. Dabei könnte man doch meinen, dass es andersherum sein müsste.
Aber anscheinend ist es mir ein Bedürfnis zu schreiben und auch für andere zugänglich zu schreiben, auch wenn ich es nicht ganz verstehen kann, sehe ich, dass es mir, seit dem ich Blog führe, besser geht. Es scheint mir, dass es das Gerüst ist, an dem ich mich entlang hangeln kann, etwas worauf ich zurückblicken kann, den Anflug von Kontrolle habe und weiß, da sind andere, die bei mir sind, die das kennen, die mich verstehen.
Vielleicht dient er auch als eine Bestätigung für mein Ego und befriedigt schlicht und einfach mein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit.
Wie auch immer, dank meiner mir pubertierend anmutenden Gier nach jeglicher Stillung meiner Bedürfnisse ist mir der Blog schon wieder nicht genug, bräuchte eigentlich einen anonymen Blog, in dem ich ohne Rücksicht auf andere oder Wahrung meiner Privatsphäre schreiben kann.

Ich fühle mich, als würde ich krank werden, mein Hals kratzt, mein Kopf schmerzt, ich fröstle herum und fühle das seltene Bedürfnis im Arm gehalten zu werden, während ich ne Runde heulen darf und mir über den Kopf gestreichelt wird. Das Körper und Seele ja viel näher zusammenlegen, als ich glauben mag, weiß ich manchmal nicht, ob mein Unwohl sein, eher psychisch oder physischer Natur ist. Manchmal bekomme ich das große Heulen und denke: Scheiße, bitte keine Depression! Nur um dann ein paar Stunden oder Tage später erleichtert festzustellen, dass es nur meine weiblichen Hormone waren oder auch einfach eine stinknormale Erkältung.

Den Ratschlag, mit meinem Buch einfach anzufangen, habe ich noch nicht umgesetzt, da  einfach halt nicht so einfach ist. Ich habe verschiedene Ideen, die ich immer wieder verwerfe. Über mich selbst zu schreiben, wäre wohl am einfachsten, aber auch langweilig. Nach Sarrazins billigen Kreuzritterphamplet, hatte ich gute Lust, ein Buch aus der Sicht eines intelligenten Taliban zu schreiben und dem weißen Mann seine selbstgefällige Fratze aus dem Gesicht zu wischen, aber höchstwahrscheinlich würde dies entweder niemand lesen wollen (die anderen sind die Bösen, verkauft sich immer sehr viel besser.) oder ich wäre dann für immer der Feind, weil niemand verstehen würde, wie ich es meine.
Eine andere Idee ist, eine Liebesgeschichte, die in Berlin spielt und in der sich eine Muslimin in einen Atheisten verliebt, aber eigentlich habe ich keine Lust auf etwas, dass das in Kontrast setzen von Stereotypen als Voraussetzung hätte.
Noch ne Idee wäre, die menschliche Rasse von Außerirdischen erobern zu lassen, die dann beschließen, der Mensch habe seine Existenzberechtigung verloren, aber das wäre weder neu, noch buchfüllend, das würde höchstens Stoff für ne sehr kurze Kurzgeschichte hergeben:
Eines Tages waren sie einfach da, ohne Ankündigung, ohne Kampf. Sie legten die Gehirne der Menschen still und sahen durch einen Blick in sie, was der Mensch war: ein außer Kontrolle geratenes Tier. Es gab kein Gericht, sondern nur schnelle, stille Schadensbegrenzung. Niemand bekam etwas mit, nur der Planet seufzte einmal leise "Danke!".

Ich habe auch keine Lust etwas zu schreiben, das die mit den Wunsch des Menschen nach Glückseligkeit spielt, das ihnen suggeriert, es sei alles eigentlich ganz einfach, man müsse sich nur trauen, an seine Wünsche zu glauben, bla bla.

Deshalb wird das mit dem Buch doch noch ne Weile dauern, bis ich die richtige Idee habe, bis ich es mir zutraue, bis ich meine Inspiration gefunden habe.

http://www.youtube.com/watch?v=037uSAIahho

http://www.youtube.com/watch?v=flWP28y2cyw

http://www.youtube.com/watch?v=8ofTgif-EMU

Dienstag, 5. Oktober 2010

An Jan, über die Intuition

Salam Jan, 
ja manchmal dreht man sich im Kreis, die Katze beißt sich in den Schwanz. Ich kann bisher aus meinem dualistischen, pauschalisierenden Denksystem nicht ausbrechen und das macht mich selbst wütend. Mein Ablenkungsmanöver, vermeintlich kluge Fragen zu stellen, ist durchschaut :D.


Intuitiv hört sich gut an, mit meinem Verstand renne ich momentan nur gegen die Wand und bin so genervt, von mir und allen die mir nicht weiterhelfen können (oder wollen). Manchmal hasse ich die Worte, weil sie nicht ausdrücken können, was ich mitteilen möchte. Manchmal hasse ich meinen Blog, weil er immer irgendwie schief klingt und er nur ein billiger Versuch ist, meine gefühlte Einsamkeit zu überlagern. Ich sehne mich nach meiner Intuition, wissend dass ich und jeder Mensch mit einer geboren werden. Aber leider lehren sie uns in den Schulen nicht, wie wir die Verbindung zu ihr aufrecht erhalten, sie pflegen, sie zu unserem Begleiter machen. Vielmehr wird sie mundtot gemacht, in dieser dogmatisch, naturwissenschaftlich, materialistischen Welt. Zarte Seelen haben keine Chance, wenn sie sich nicht eine hohe, fette Mauer um sich herum bauen. Und da die Intuition gefühlterweise ein zartes Wesen ist, kann nur eine sensibler Mensch sie hören. Ich glaube, ich habe meine totgequatscht :D.
Für meine Worte, Gedanken wurde ich schon immer gelobt, konnte besonders früh sprechen, lesen und so weiter. Aber ich erinnere mich auch, an meine Intuition, sie hat mich fühlen lassen, was andere Menschen brauchen. Mit 3 Jahren habe ich oft gewusst, was meine Mutter braucht und es ihr gebracht oder ausgesprochen, was sie dachte.
Und ich weiß, dass ich es noch heute kann, mit anderen Menschen verschmelzen oder auch mit der Natur, dass wenn ich ganz ruhig werde, mein Herz (oder wie wir immer das auch nennen) sprechen hören kann.
Aber dann bin ich gleichzeitig so sensibel, dass ich andere mit meiner Art verunsichere. Also habe ich gelernt so cool zu sein, wie es nur geht, weil mein Wesen nicht in diese Zeit und diese Stadt passt. Sie passt nicht in die Schule und lässt sich mit  Erfolg haben wollen nicht vereinbaren.
Und ich will endlich Erfolg haben, habe mich letztendlich den Maßstäben ergeben, an denen wir alle gemessen werden, bin süchtig nach akzeptiert und geschätzt werden geworden. Habe mich irgendwann auf meinem Weg verraten und verkauft.

Manche Fragen sind aber auch echt, die Frage nach der Beschaffenheit des Guten und Bösen, ist so eine. Und ich habe ein wenig Angst, wenn ich meinen Glauben an das Gute und Böse verliere, alles zu verlieren, was mich je ausgemacht hat. Wer bin ich dann?
Aber vielleicht, nein hoffentlich hast du Recht und unsere Intuition kennt die Antwort, die der Verstand nicht fassen kann.

Freitag, 1. Oktober 2010

Desktruktiv

"Just gonna stand there and watch me burn. But that's alright, because I like the way it hurts. Just gonna stand there and hear me cry. But that's alright, because I love the way you lie."
Eminem
Auch, wenn das fast niemand so direkt sagen würde, gibt es dieses Destruktive in uns, mehr oder weniger, entweder gegen uns selbst oder jemand anderen gerichtet. Ich würde gerne verstehen. Liegt es in unserer Natur oder ist es Ausdruck gestörter Seelen? Und wäre dann nicht der Großteil der Menschen gestört?? Sollen wir es akzeptieren, bekämpfen, überwinden, heilen...?

Freud versuchte es mit dem Todestrieb zu erklären, der dem Lebenstrieb gegenüberstehe. Nach einigem Nachdenken fand ich seinen Ansatz gar nicht übel, auch wenn das Bewusste nie zugeben würde, dass etwas in uns, sich nach Vernichtung sehnt. Aber wie erklärt ein Humanist, das Monster im Menschen? Warum neigen wir dazu, nur die positiven Eigenschaften als menschlich zu bezeichnen und das andere als unmenschlich? 
Dabei ist doch der Mensch das einzige Wesen der das Unmenschliche in diese Welt gebracht hat. 
Religiöse Menschen erklären das Schlechte in uns, mit dem Teufel. Er versuche uns zu verführen und das schlechteste in uns zum Vorschein zu bringen, meisterhaft im Faust festgehalten: Mephisto:

"Ich bin der Geist, der stets verneint! Und das mit Recht; denn alles, was entsteht, ist wert, dass es zugrunde geht; Drum besser wär's, dass nichts entstünde. So ist denn alles, was ihr Sünde, Zerstörung, kurz, das Böse nennt, Mein eigentliches Element."

Und wenn es so sein sollte, dann muss der Mensch in sich selbst etwas teuflisches tragen, sonst würden wir selbst nicht in der Lage sein, Schlechtes (oder was wir so nennen) zu tun. Und dann hat der Teufel oder das Böse viel Macht über uns, wäre eine Art Antigott. Ich kenne die Erklärungsmodelle, der Mensch sei halt ein freies Wesen, das er beide Anlagen in sich trüge, dadurch könne er höher als die Engel sein oder niederer als ein Tier. Das weil sich weder der Engel noch das Tier entscheiden müsse, sondern keine andere Wahl hat, sich seiner eigenen Natur nach zu verhalten. Dazu sagt Memphisto und ich gebe ihm widerwillig Recht:

"Ein wenig besser würd er leben, Hättst du [Gott] ihm nicht den Schein des Himmelslichts gegeben;
Er nennt's Vernunft und braucht's allein, Nur tierischer als jedes Tier zu sein."

Wo sind die Menschen, die ihre Vernunft dazu benutzen, wirklich gerecht und gut zu sein? Sicher gibt es Erzählungen über sie. Aber je genauer man hinguckt, um so fragwürdiger werden unsere augenscheinlich hehren Motive, die oft genug unbewusst nur dazu dienen, sich besser zu fühlen, als der Rest, sich über ihn zu heben (noch vor einem Jahr hätte ich laut Einspruch erhoben).

Diejenigen, die sich selbst als bessere Menschen sehen, sind schon allein verlogen durch ihr Runtergucken auf andere und noch dazu in der Verleugnung eines Teils ihrer menschlichen Anteile. Sie idealisieren den Menschen, machen ihn zu dem Engel, der er nie war und scheitern kläglich, in dem Versuch Realität und Anspruch in Einklang zu bringen.

Das geht so weit, dass es wirklich Bewegungen gibt, die das Schlechte als nicht reell verneinen. Es sei alles ein Produkt unserer Einbildung, in Wirklichkeit seien wir makellos und durch und durch gut. Wenn ich in ihre irren, verzückten Gesichter schaue, wenn sie das erzählen, dann durchfährt mich Abscheu. Nein, so möchte ich nicht sein, ich werde nicht die Augen zu kneifen, die Nachrichten ausschalten und um mich herum eine bunte Seifenblase errichten, nur um mir einreden zu können, alles sei perfekt. Diese Art der Glückseligkeit ist übel erregend und hat sicher schon den einen oder anderen zu dem Glauben getrieben, die Bösen wären in Wirklichkeit die Guten. Eben weil die Guten (die in seinem Namen sprechen) oft so verlogen, zu feige sind, sich weigern der Realität zu stellen.


Meine Sorge ist, dass mein moralisches Empfinden, am Ende nur durch Erziehung/Sozialisierung zustande gekommen ist und der destruktive Anteil sich trotzdem immer seinen Weg sucht. Der ehrliche Blick in mich selbst und der klare auf die Menschen draußen, bestätigen diesen Verdacht. Ich habe keinen Menschen getroffen, der sich nicht selbst Schaden würde, bewusst oder unbewusst. Und gerade in der sogenannten Liebe ist das Destruktive am besten zu beobachten. Leidenschaft heißt nicht umsonst "(das was) Leiden schaf(f)t."

Mary am Meer

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