Das erste, was mein Kleiner mir heute mitzuteilen hatte, ich noch ganz schlaftrunken, am Wasser aufsetzen, in einem Topf, da mein Wasserkocher durchgebrannt ist, Kaffeefilter in den Filter legen und Kaffee hineinschütten*:
"Weißt du Mama, Träume sind was besonderes. Sie erinnern sich an Sachen, die ich sogar vergesse habe!"
Ich versuchte ihm, trotz Halbschlaf ziemlich gerührt, etwas vom Unbewussten zu erzählen, aber er schaute mich nur an, als hätte ich etwas völlig Unsinniges erzählt und total am Thema vorbei geredet und überhaupt nichts verstanden, so wie das Erwachsene manchmal halt tun.
"Ich hatte heute einen guten Traum!", verriet er mir, nachsichtig wie er ist, trotzdem. Und diesmal reagierte ich seinen Erwartungen gemäß und war die Zuhörerin, die er brauchte. "Gute Träume sind schön, willst du mir davon erzählen?"
Es ist nicht einfach Kindern etwas zu erklären, so dass sie es verstehen, mir jedenfalls fällt es oft schwer. Letztens zum Beispiel wollte Ali den Unterschied zwischen Zwei- und Dreidimensional erklärt bekommen. Ich fing mit Bildern an, das diese zweidimensional sind, also flach und wir uns die dritte Ebene dazu denken müssen. Und dass wir nur dreidimensional sehen, weil wir zwei Augen haben, aber selbst wenn wir uns ein Auge zu halten, die dritte sehen, weil unser Gehirn, sie automatisch hinzufügt. Er wurde ganz ungeduldig: "Mamaaa, ich will nur wissen, was 3D ist?!" "Ok...erinnerst du dich, als wir den 3D Film geguckt haben und diese Brille auf hatten? Und als du dich erschreckt hast, weil die Hand plötzlich aus dem Bild herauszukommen schien? das ist 3D!" Damit war er dann zufrieden.
Aber um noch einmal auf die Träume zurückzukommen. Sie sind wirklich etwas besonderes, auch wenn ich mich an meine zur Zeit kaum erinnern kann, außer einzelne Sequenzen. Nicht einmal Alpträume, an die ich mich erinnern könnte. Entweder ist das ein gutes Zeichen oder meine Träume sind so schrecklich, dass ich sie noch vor dem Aufwachen zensiere und schnell ins Unbewusste zurück stopfe.
Wie auch immer, ich interessiere mich für das Phänomen Traum. Ich glaube, dass er uns wirklich etwas zu sagen hat, dass er ein zusätzliches Bewusstsein in uns drin ist, das viel mehr Zugang hat, als unser begrenztes Ich. Zugang zu einem äußeren, kollektivem Bewusstsein und zu unserem inneren Eisberg, unter der Oberfläche.
Wenn wir in einer Gesellschaft leben würde, die ihre Riten gewahrt und nicht gegen dekadente Oberflächlichkeiten ausgetauscht hätte, dann wäre unser Zugang zu uns und der Welt nicht so verstopft, würden wir nicht an chronischer Bewusstseinsverstopfung leiden, da bin ich sicher.
Wir würden ums Feuer sitzen und viel wissen, ohne es je gelernt zu haben. Wir würden verstehen, in dem wir unsere Träume verstehen und ihnen helfen einen Zugang in diese Welt zu geben. Und wir würden unsere Wunden heilen, in dem wie uns in die Augen sehen. Wir würden andere Wege kennen zu wachsen, als durch Krisen.
Das hört sich esoterisch an, was für mich eine Art Schimpfwort ist und deshalb nicht mag.
Ich nenne es lieber: Der Indianer in mir.
Erkenntnis, indem wir uns verbinden, mit unserem Inneren (den Träumen) und dem Außen (der Natur, zu der auch andere Menschen gehören).
Beobachtet einmal eure Träume und versucht sie nicht mit der Ratio zu interpretieren. Lasst sie auf euch wirken. Schreibt auf, an was ihr euch erinnern könnt, denn direkt nach dem Aufwachen sind sie oft noch klar, so klar, wie unser Bewusstsein es verkraften kann. Schaut, ob sich eine Beziehung entwickelt, wenn ihr euren Träume zuhört. Es kann sein, dass sie es aufgegeben haben, uns etwas zu sagen, weil wir nie zu gehört haben! Also habt Geduld, ich werde auch geduldig sein!
*wenn ich auf irgendwas zu reduzieren bin, dann darauf, dass ich den Geruch von Kaffee liebe. Stand auf ihrem Grabstein: Sie hat den Geruch von Kaffee geliebt!