Wer hält uns, wenn wir fallen? Werden wir überhaupt gehalten? Und warum fallen wir?
Ich bin mir fast sicher, dass jeder Mensch, der ehrlich zu sich ist, diese Momente kennt, in denen er sich hilflos fühlt, in denen er sich selbst nicht mehr managen kann, diese unter-die-decke-kriechen-und-nie-wieder-herauskommen-wollen Momente.
Meist passiert davor etwas, das uns verletzt. Und oft hat es etwas mit Liebe, bzw. nicht-Liebe zu tun. Uns war etwas wichtig, aber es ist nicht passiert. Wir fühlen uns plötzlich sehr verletzbar, klein und stellen uns selbst in Frage...und dann fallen wir, weil wir zu schwach sind, um uns auf den Beinen zu halten.
Blöderweise halten wir die Menschen, die uns zur Seite stehen wollen oft für nicht fähig, weil wir meinen, sie könnten uns nicht verstehen, oder weil wir selbst bestimmen wollen, wer uns auffängt oder weil wir zu stolz sind, um jemand anderen unsere Schwäche zu zeigen.
Vielleicht auch, weil jemand, der so bedingungslos zu uns steht, doch nicht ganz dicht im Kopf sein kann.
Ich wage zu behaupten, dass niemand in solchen Momenten allein sein muss (sollte es wirklich jemanden geben, der niemanden kennt, für den er wichtig ist, der ihn liebt, dann ist das wohl der ärmste Mensch auf Erden.).
Wirkliche Stärke kann nur dort sein, wo auch die Schwäche ihr Recht bekommt. Ansonsten wird die Schwäche sich rächen und dann wird sie stark sein und wir hilflos, bis wir einsehen, dass sie zu uns gehört und, dass das, was wir negativ nennen, zum Leben dazu gehört, dass das eine nicht ohne das andere sein kann.
Das ist das wichtigste, das ich in den letzten Jahren gelernt habe.
Ich bin endlich wieder die große, starke Schwester, die ich früher war, die immer Licht am Horizont sieht und am liebsten jeden auf dieser Welt retten würde.
Aber diesmal ist es anders, diesmal habe ich mich zuerst selbst gerettet. Ich bin gefallen und habe gelernt, dass Schwäche auch zu uns gehört und wir deshalb nicht aufhören liebenswert zu sein. So viele Menschen standen in dieser Zeit bei mir und ich kann meine Dankbarkeit dafür kaum in Worte fassen. Danke!
Und rückblickend sehe ich, dass es wichtig war, eine Weile das kleine, traurige Mädchen, das hilflos am Wegrand sitzt und nicht mehr weiter gehen will, heraus zu lassen.
Nun kann ich die Vorteile genießen, die es mit sich bringt eine große Schwester zu sein. Selbstbewusst, verantwortlich, hilfsbereit zu sein, sind positive Eigenschaften, wenn sie echt sind und nicht übergestülpt. Ich kann jemanden in den Arm nehmen und mitziehen. Aber ich kann mich auch in den Arm nehmen lassen, wenn ich es brauche.
Lasst euch in den Arm nehmen, wenn ihr es braucht und nehmt es an. Ihr werdet es weiter geben, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Und seid nicht traurig, wenn etwas in eurem Leben nicht so läuft, wie ihr es erhofft habt. Seid euch gewiss, wenn euch jemand nicht zurück liebt, dass es nicht an euch liegt, sondern der andere einfach nicht in der Lage dazu ist, warum auch immer.