
"Jeder Tag ist Aschura und jeder Ort ist Kerbala" Kalligraphie, nicht von mir
Die Trauerzeit um Hussein, den Enkel des Propheten Mohammed, hat begonnen. Für die Schiiten hat diese Zeit besondere Bedeutung und jedes Jahr sterben Hussein und seine 73 Gefolgsleute von Neuem.
Aber die Trauer, um das was geschah, sollte jedem zu Herzen gehen, der noch eines hat.
Eine Trauer, weniger um Hussein, der ja so oder so, schon seit Jahrhunderten tod wäre. Meine Trauer gilt dem Aufeinander treffen von Gut auf Böse, so deutlich sichtbar, wie es das in unserer vernebelten Welt voller Grautöne nicht mehr gibt, und vor allem dem Umstand, dass ihn so viele im Stich ließen.
Hussein mit seiner Familie und Gefolge, der nicht kämpfen will, nichts als Frieden und Gerechtigkeit anstrebt, trifft auf eine übergroße Armee von Yazid, dem tyrannischen Kalifen, geschickt, die ihm den Weg abschneidet und sie "ausdursten" lässt.
An einem heißen Ort, der den wunderschönen Namen Naynawa trägt, später nur noch Kerbala (Kummer und Sorgen) genannt wird, versucht Hussein die Menschlichkeit in seinen Feinden zu wecken. Er bittet für die kleinen Kinder um Wasser, was ihm verweigert wird.
Tage vorher, als Hussein noch Zugang zum Brunnen hatte, kam ihm das durstige Heer entgegen und er ordnete an ihnen Wasser zu geben, wohl wissend, dass sie nichts Gutes im Sinn hatten. Auf einen Einwand eines seiner Leute entgegnet er, dass es eine der schlimmsten Sünden ist, irgendeinem durstigem Geschöpf dasWasser zu verweigern.
Die Reden, die er vor dem ungleichen Kampf führt, appellieren an Verstand und Herz.
Als klar wird, dass sie alle umkommen werden, bietet er seinen Gefolgsleute an, im Dunkeln der Nacht zu fliehen.
Am Tage des Kampfes, fängt er zu weinen an und seine Gefährten, die bei ihm geblieben sind, ca. 73 erschrecken: Ist dir das Paradies nicht sicher?
Er aber entgegnet: Ich weine nicht um mich, sondern ich weine um die da drüben.
Spätestens da habe ich mich in Hussein verliebt, mein Herz ist bei ihm und ein kleiner Teil seiner Trauer wird meine Trauer, deren Gänze ich nie (er)tragen könnte. Ich will ihm zu rufen: Hier, warte noch auf mich, wer will danach denn noch weiter leben?
Ach, ich könnte stundenlang über diese Geschichte schreiben, die von nichts anderem berichtet, als von dem, was der Mensch alles sein kann.
Eine reine Seele (Hussein);
Eine Seele, die nicht perfekt, aber mutig, voller Liebe zum Guten ist, die seinen Prinzipien loyal bleibt und niemals verzweifelt (Gefolgsleute Husseins);
Eine böse Seele (Yazid);
Eine Seele, die verwirrt, verirrt war, nicht wusste, was wahr, was falsch ist und das Wahre durch den Anblick des Wahren (Husssein) erkennt, und sich für Licht entscheidet (Hurr, einer der Armeeführer Yazids, der im letzten Augenblick die Seiten wechselte);
Dann noch die seelenlose Seele, die ihre Menschlichkeit, für ein paar Goldmünzen eintauscht, sich von ein paar schönen Worten einlullen lässt und zu einem Monster wird, die sich nicht scheut, einen Pfeil auf einen Säugling abzuschießen (Leute der Armee)
Und letztendlich die ganzen hoffnungslosen Seelen, die zu feige sind, die Unschuld zu schützen, für Gerechtigkeit einzustehen, die danach weinen, aber denen ihre Tränen nicht nützen, denn es sind falsche Tränen (die Masse).
Diese Geschichte fragt uns, zu welchen Seelen wir gehören wollen und ob wir den nötigen Mut haben, es zu versuchen.





