Sonntag, 20. Dezember 2009

Naynawa-die Geschichte von Gut und Böse


"Jeder Tag ist Aschura und jeder Ort ist Kerbala" Kalligraphie, nicht von mir


Die Trauerzeit um Hussein, den Enkel des Propheten Mohammed, hat begonnen. Für die Schiiten hat diese Zeit besondere Bedeutung und jedes Jahr sterben Hussein und seine 73 Gefolgsleute von Neuem.
Aber die Trauer, um das was geschah, sollte jedem zu Herzen gehen, der noch eines hat.

Eine Trauer, weniger um Hussein, der ja so oder so, schon seit Jahrhunderten tod wäre. Meine Trauer gilt dem Aufeinander treffen von Gut auf Böse, so deutlich sichtbar, wie es das in unserer vernebelten Welt voller Grautöne nicht mehr gibt, und vor allem dem Umstand, dass ihn so viele im Stich ließen.

Hussein mit seiner Familie und Gefolge, der nicht kämpfen will, nichts als Frieden und Gerechtigkeit anstrebt, trifft auf eine übergroße Armee von Yazid, dem tyrannischen Kalifen,  geschickt, die ihm den Weg abschneidet und sie "ausdursten" lässt.
An einem heißen Ort, der den wunderschönen Namen Naynawa trägt, später nur noch Kerbala (Kummer und Sorgen) genannt wird, versucht Hussein die Menschlichkeit in seinen Feinden zu wecken. Er bittet für die kleinen Kinder um Wasser, was ihm verweigert wird.
Tage vorher, als Hussein noch Zugang zum Brunnen hatte, kam ihm das durstige Heer entgegen und er ordnete an ihnen Wasser zu geben, wohl wissend, dass sie nichts Gutes im Sinn hatten. Auf einen Einwand eines seiner Leute entgegnet er, dass es eine der schlimmsten Sünden ist, irgendeinem durstigem Geschöpf dasWasser zu verweigern.

Die Reden, die er vor dem ungleichen Kampf führt, appellieren an Verstand und Herz.
Als klar wird, dass sie alle umkommen werden, bietet er seinen Gefolgsleute an, im Dunkeln der Nacht zu fliehen.
Am Tage des Kampfes, fängt er zu weinen an und seine Gefährten, die bei ihm geblieben sind, ca. 73 erschrecken: Ist dir das Paradies nicht sicher?
Er aber entgegnet: Ich weine nicht um mich, sondern ich weine um die da drüben.

Spätestens da habe ich mich in Hussein verliebt, mein Herz ist bei ihm und ein kleiner Teil seiner Trauer wird meine Trauer, deren Gänze ich nie (er)tragen könnte. Ich will ihm zu rufen: Hier, warte noch auf mich, wer will danach denn noch weiter leben?

Ach, ich könnte stundenlang über diese Geschichte schreiben, die von nichts anderem berichtet, als von dem, was der Mensch alles sein kann.
Eine reine Seele (Hussein);
Eine Seele, die nicht perfekt, aber mutig, voller Liebe zum Guten ist, die seinen Prinzipien loyal bleibt und niemals verzweifelt (Gefolgsleute Husseins);
Eine böse Seele (Yazid);
Eine Seele, die verwirrt, verirrt war, nicht wusste, was wahr, was falsch ist und das Wahre durch den Anblick des Wahren (Husssein) erkennt, und sich für Licht entscheidet (Hurr, einer der Armeeführer Yazids, der im letzten Augenblick die Seiten wechselte);
Dann noch die seelenlose Seele, die ihre Menschlichkeit, für ein paar Goldmünzen eintauscht, sich von ein paar schönen Worten einlullen lässt und zu einem Monster wird, die sich nicht scheut, einen Pfeil auf einen Säugling abzuschießen (Leute der Armee)
Und letztendlich die ganzen hoffnungslosen Seelen, die zu feige sind, die Unschuld zu schützen, für Gerechtigkeit einzustehen, die danach weinen, aber denen ihre Tränen nicht nützen, denn es sind falsche Tränen (die Masse).

Diese Geschichte fragt uns, zu welchen Seelen wir gehören wollen und ob wir den nötigen Mut haben, es zu versuchen.

Samstag, 19. Dezember 2009

5x Mr.Darcy, ja bitte zum mitnehmen.


al-Hubb=die Liebe in Arabisch

Heute rief ein kleines Mädchen auf dem Bahnsteig: "Weihnachtsmann! Weiiihnaaachtsmann!" Ich hätte gerne gewusst, was sie gerade denkt.

Gestern saß eine Frau mit einer Rose in der Bahn und machte ein Gesicht, als wäre sie zum Tode verurteilt, wie passen die Rose und das Gesicht zusammen?

Vorgestern lächelte mir ein Mann übertrieben und auffällig zu und ich wusste nicht, ob es "nur" nett gemeint war, schämte mich für mein Misstrauen, vertraute dann aber meinem Bauchgefühl. Ich glaube wir wissen, wenn wir uns vertrauen, ganz gut, was "richtig" ist und was "falsch".

Ich war mit Mitschülern essen gewesen und es war ein schöner Abend, mit viel lachen und Gerede. Ich fühlte mich nicht fremd und das ist gut.

Notentechnisch, bin ich sehr zufrieden, Einsen und Zweien und eine Drei, wissend, dass mein Potenzial noch nicht ausgeschöpft ist. Es tut gut, der Schule Priorität zu geben, ihre Regeln sind einfacher zu verstehen, als die des Leben. Gute Noten=Erfolg, schlechte Noten=Misserfolg. Ich beziehe mein Glück also momentan aus Anerkennung meiner Leistungsfähigkeit und auch wenn diese nicht ich bin, reicht es mir gerade aus. It´s better than nothing at all!?

Ich habe mir durch Unterhaltungen mit Freundinnen mal wieder Gedanken zum Thema Liebe gemacht und frage mich, ob man, wenn man nur lange genug allein ist, bereit ist seine Ansprüche drastisch zu senken, nur um Hauptsache nicht allein zu sein. Wie wenn jemand hungert, der fragt ja irgendwann auch nicht mehr, wie verdorben das Brot ist, das man ihm reicht.

Persönlich kann ich mir das nicht vorstellen, dann lieber allein.
Zurück zu den Ansprüchen. Ich glaube, dass ich gelernt habe, aus diesem und aus jenem, dass ich mich wertschätzen muss. Zur Wertschätzung zählt auch, das Ernst nehmen des erwähnten Bauchgefühls. Und wenn ich manchmal einsam und darüber traurig klingen mag, möchte ich (oder mein Stolz) betonen, dass es die Sehnsucht nach einer besonderen Liebe ist und nicht nach irgendeiner Liebe (die ich natürlich jederzeit haben könnte :P).

Ich bin zu stolz, um zu zeigen, nach was ich mich sehne. Mich "virtuell "anzubieten" kommt nicht (oder noch nicht) in Frage und allein wenn ich an "Fisch sucht Fahrrad-Party-Werbepostern" (das sind Partys, wo Singles hingehen um sich zu "finden") vorbeigehe, laufe ich, vor lauter fremd schämen, rot an. Dabei sollte nichts dabei sein, zu zugeben, dass sich man einen Partner wünscht und es ist weit aus realitätsnaher zu so einer dämlichen Party zu gehen oder sich bei  www.ichsuchediegroßeliebe.de anzumelden, als darauf zu warten, dass Mr.Darcy vom Himmel fällt.

Ich kann nicht anders und hoffe trotzdem lieber auf die Großzügigkeit des Himmels....(bitte 5x ich habe noch Schwestern und ne Freundin).

Dienstag, 15. Dezember 2009

Fast wie Pippi Langstrumpf





Die Ferien stehen vor der Tür und endlich kann ich mich freuen! Yeah. Endlich bekomme ich Lust etwas zu unternehmen. Freunde besuchen, Schlittschuh laufen, nach Hamburg fahren, Bilder malen, mich vom Liebhaber finden lassen, ins Kino gehen, Tanzen, mein Buch schreiben, alles gleichzeitig.
Ich bin etwas überdreht, niemand sollte mich sehr ernst nehmen, die Tage.

Die Aufforderung, seinem Leben einen Sinn zu geben, las ich und dachte: Dem Leben einen Sinn geben, da es sonst sinnlos ist. ok, Aber wenn ich meinem Leben einen Sinn gebe und der Sinn, den ich ihm gab, war vollkommener Unsinn, dann wäre es besser, keinen Sinn zu haben und trotzdem zu leben.

Wie gesagt, nehmt mich nicht ernst, das kalte Wetter legt sich auf meinen Verstand. Aber ich finde, es steht mir ganz gut, meine eingefrorene Grübelei, auch grübelnde Menschen haben ein Recht, glücklich zu sein.

Ich habe in Mathe ne 2 Minus!!! dass ist das= wie ne 1 Plus in Deutsch (na eigentlich noch besser) für mich!!

Dort lesen wir gerade "Die Leiden des jungen Werthers" und auch wenn er oft ziemlich dick aufträgt im Werther, mag ich ihn, versteh ich ihn, genieße die Worte, die Sätze, wie er mit Sprache spielt und was er uns zu sagen versucht. Ich finde, allein Goethe wegen, lohnt es sich die deutsche Sprache zu erlernen.

Danke, dass ich lebe, auch wenn ich morgen sterbe, liegt der Sinn im Sinn.

Samstag, 12. Dezember 2009

Besuchte Zeit



Habe Mathe und Philo geschrieben, wobei Philo ein wenig wie in meinem Albtraum war (auch wenn Herr W. nicht auf der Gitarre spielte, da er gar nicht da war, war es sehr laut, da Nachschreibklausur), erst in der letzten viertel Stunde befand ich mich im Schreibfluss.
Aufgabe war eine Problemerörterung und Gegenüberstellung eines der im Unterricht durch genommenen Philosophen.
Ich will nicht langweilen, bin froh, es hinter mir zu haben, jetzt nur noch Bio und zwei Referate und das Semester ist zu Ende. Endlich habe ich das Gefühl, mein Abi im ersten Anlauf zu schaffen, dazu noch gut. Vor mir ein und ein halb Jahre, und ich habe gesehen, wie schnell die vergehen. Wenn die Moral doch nicht relativ sein sollte, dann ist es die Zeit definitiv.

Ich freue mich auf die Ferien und würde gerne nach Hamburg... mal sehen, ob es klappt.
Mal vom Schulstress abgesehen ist mein Leben langweilig, ein Tag wie der andere. Ich bin abends zu müde, um auszugehen oder was zu unternehmen, sehe den Sinn momentan auch nicht so recht darin, ich scheine zum schlafen geboren worden zu sein.

Mein "Einsamkeitsgefühl" hat sich aber verkrümelt und kann auch gerne in seinem Loch bleiben, ich habe mal wieder festgestellt, dass nur ich es bin, die sich einsam macht und mir, wenn ich will, alle Türen offen stehen. Es ist so merkwürdig, dass der Mensch oftmals das Gegenteil von dem ausstrahlt, was er eigentlich möchte.

Einen wunderbaren Sonntag hatte ich letzten Sonntag beim interreligiösen Kirchentreffen. Fünf Religionen trugen vor, Thema war "Aus der Nacht will ich das Morgenrot erwecken" (wobei ich "herausgefunden" habe, dass der Koran die Nacht als Symbol des Schlechten gar nicht benutzt, er ist ein Segen, wie der Tag und es wird eher wissenschaftlich dazu aufgerufen über ihn nachzudenken, bzw über den Wechsel zwischen Nacht und Tag).
Die Kirche war wunderschön und die Akustik wahnsinnig gut. Ich "repräsentierte" den muslimischen Teil. Meine Knie zitterten und die Beine unterhalb der Knie mit. Da vorne zu stehen ruft sehr ambivalente Gefühle in mir hervor. Einerseits als ob ich dahin gehöre und andererseits, als sollte ich so schnell es geht, wegrennen.
Dabei war das singen viel leichter, als das reden. Denn ich komm mir beim öffentlich reden immer sehr künstlich und, als würde das nicht reichen, tollpatschig vor.
Aber das Vortragen hat mir allein wegen der Akustik viel Spaß gemacht, die Begeisterung danach hat mein Selbstvertrauen gefördert. Es ist ein euphorisches Gefühl, das ensteht, wenn man mitbekommt, andere berührt zu haben.

Es war wirklich ein schöner Tag; Gemeinsamkeit kannte keine Einsamkeit, inmitten von Menschen, deren Herzen offen geblieben sind. Die wissen, dass nicht der Name, den man trägt wichtig ist, sondern dass was verbindet, die nicht überzeugen, sondern teilen und teilhaben wollen. Ich kann zwar nicht sagen, da gehöre ich hin, denn das war es nicht, was ich fühlte. Es war eher Dankbarkeit teilhaben zu dürfen und auch wenn da kein "nun habe ich meinen Platz gefunden" Gefühl war, war ich auch keine Fremde, eher ein willkommener Besucher, der glücklich war solche Gemeinschaften kennen lernen zu dürfen und fest vorhat wieder zu kommen. Das beschreibt es ganz gut.


Dienstag, 8. Dezember 2009

Dank-nicht Denk-Zettel



In einem Monat bin ich 32, das hört sich komisch fremd an, als müsst ich demnächst weise werden.
Momentan beschäftigt mich aber mehr, die Mathe-Nachschreibeklausur und übermorgen Philosophie und am liebsten würde ich jetzt einfach tagelang malen. Nur weiß ich, dass wenn ich es täte, ganz in die Farben eintauchen würde und das mein ich wörtlich.


Wobei die Worte nicht so kommen wollen, diese Tage, ich vermisse sie auch noch nicht besonders. 
Fotos wollt ich machen von da draußen, aber ich vergesse es jedesmal, jeden Tag.


Und einen Wunschzettel wollt ich schreiben, einen Blog-Wunschzettel, denn irgenwie scheint mein Schreiben eine Wirkung auf mein Leben zu haben, die über das "sich-über-etwas-bewusst-werden" hinaus geht. Und da ich mein kindliches Magie-Denken nie wirklich abgelegt habe, kann es nicht schaden einen virtuellen Wunschzettel in Form eines Brainstormings zu schreiben:


Gesundheit; gute Noten; Kinder/Familie, denen es gut geht /glücklich sind; Gesundheit; Weltfrieden; genug für alle; einen lieben Mann, den ich mich trauen kann zu lieben und der mich liebt, ohne mich anzuhimmeln, nicht nur wegen meiner Stärke oder meiner Schwäche, sondern als Gesamtpaket, der auf Augenhöhe (oder auch darüber, wenigstens körperlich dürfte das kein Problem sein) ist und mit meiner Liebe etwas anfangen, sie annehmen kann, ohne mich auszusaugen, der weiß, dass Nähe auch Abstand braucht und Vertrauen/Offenheit, der weiß, was er will und bestenfalls anders ist (bei Bedarf gerne weitere Details), als ich selbst, (sonst wirds langweilig)......
Bis der gebacken ist lieber Wunschzettelempfänger reicht auch ein guter Liebhaber über den kalten Winter (bitte einfach in die U Bahn setzen oder an der Kasse vor Lidl abstellen, natürlich wenn ich gerade auch da bin°) und des weiteren:Hypnose (Parfum); Geld für Rechnungen, Spenden und anderes; Ausgeglichenheit; Haus mit Garten (wäre schön:am See); Freunde; gerade Zähne (und die dazu benötigte Zahnspange), Reisen, Geborgenheit mit Spannung; einen Laptop; Zeit; Yoga-Kurs; nur vier Stunden schlafen müssen um ausgeschlafen zu sein; perfekt Englisch, Arabisch, Hebräisch, Spanisch, Persisch sprechen; rechnen können, eine Federkette, die in Gold getaucht wurde (die ich so ner Zeitschrift gesehen habe); noch mehr lieben und geliebt werden; Anerkennung; körperliche Fitness, klüger, dünner, weiser, schöner, ausgeglichener, geduldiger werden; Gabe erhalten, die Welt zu verbessern; zeitlose Schönheit; Erdbeeren, ganz große Leinwände mit richtig guter Farbe und guten Pinseln inklusive Erfolg als Malerin; meinen ersten Bestseller und weitere die folgen; zur Ruhe kommen ohne gelangweilt zu sein; ganz viel gute Bücher und Zeit für sie; im Bett liegen und dumme Fernsehserien sehen zu dürfen solange ich will (bitte ohne schlechtes Gewissen); Erleuchtung; in der Sonne sitzen (ojaa); nie wieder etwas vergessen oder suchen zu müssen; Charisma...


°man kann die Dinge nie klar genug formulieren.


Da das alles eventuell etwas unverschämt klingt, hier mein Dankzettel zur Kompensation:


Danke für alles, was ich habe und jeden Tag als selbstverständlich betrachte; meine Familie, die wie die Luft zu atmen ist, meine Kinder, die wenn sie gerade aufhören sich zu streiten, reizende Geschöpfe sind, für das Dach über unserem Kopf und die sonnige Wohnung mit den knarrenden Holzboden, für mehr als genug Essen und Trinken, für unsere Gesundheit; Auffassungsgabe, dafür, dass ich so viele schöne Tage und glückliche Momente erleben durfte und lerne, dass auch die weniger schönen Tage und unglücklichen Momente ihren Sinn haben, danke, dass ich glauben kann, dass die Menschen mehr gut als schlecht sind, dass ich nicht erschrecke, wenn ich meine Seele anschau, dass ich gelernt habe, dass Schwäche verzeihlich ist, wenn man sich traut sie anzusehen und sich ihr dann entgegen zu stellen, für Musik, für den Geruch des Regen an einem staubigen Tag, für die Reinheit der Kinderseelen, fürs Lachen können, für Tränen, danke, für alle die ich lieben darf und die mich lieben, für die Liebe zur Liebe und Ablehnung von Hass, für Heizung und Wasserhahn, für Sicherheit und Vollmondnächte, für Ingwertee und Ginger ale, dafür, dass meine Mathearbeit morgen gut werden wird und Philosophie noch besser (sehe mir mein plumpes Suggestivdankeschön bitte nach).


Danke, danke, danke.....................................a thousand times.

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