Sonntag, 25. März 2012

Die Geschichte von Herrn B aus K

Die Nächte sind noch sehr kalt auf dem Land. Die Sterne mögen das. Wir werden zu Hühnern und gehen früh schlafen. Die Zeitumstellung kommt gerade recht. So ist es schon sieben, wenn es hell wird.
Und daheim schenkt uns die Küchenuhr nun keine Stunde mehr. Es eilt uns der Sommer entgegen. Es gibt viel zu tun, mehr zu überwinden: Hürden und Steine, die man sich selbst in den Weg gelegt hat. Am Ende jedoch sind wir alle unschuldig.
Wir steigen am Bahnhof aus und finden den Weg zum Haus wie streuende Katzen und ganz ohne zu fragen.

Herr T züchtet blaue Hennen, die keine blauen Eier legen, aber trotzdem viel wert sind. A. will jetzt Bauer werden, die Freiheit lockt ihn hier, sagt er.

Ein Herr B. stellt sich vor, 85 Jahre ist  er und mein Vater kennt seine Geschichte. Die musst du aufschreiben, sagt mein Vater zu mir. Und dann zu Herrn  B ohne irgendwelche Umschweife: "Erzählen sie meiner Tochter vom Krieg!"

Samstag, 24. März 2012

Die innere und die äußere Tür

Die Nacht lehrte mich, dass jede Tür zwei Seiten hat und dass dies eine oft übersehene Wahrheit ist. Es stand in einem heiligen Buch, dass ich von damals kannte, dass die Tür in sieben Längen zu lesen ist. Eine Frau erklärte mir, dass das nur für die äußere Tür gelte. Die innere habe eine andere Leselänge und sie wollte ihr Maß von mir wissen.
Ich antwortete ihr äußerst erregt, dass ich bis jetzt nichts davon gewusst hatte, da mir beigebracht worden ist, dass die Tür immer dieselben sieben Längen hat.
Die Frau war erstaunt, denn sie hielt mich für eine Instanz in dieser Sache und ich wollte ihr sagen, dass sie mich überschätzte, wusste aber nicht wie und so sandte ich ihr nur den Gedanken und hoffte, dass sie ihn verstand.
Ich fragte: Was für eine Leselänge könnte die innere Tür haben? Wir schwiegen beide und unser gemeinsames Nachdenken wurde zu einem einzigen.
Dann wachte ich auf. 

Freitag, 23. März 2012

Über Klobrillen

Wie schnell die Welt ihre Meinung ändert. Nur ein wenig Frühling und man hat sich gleich mehr lieb. Gegenseitig, und wenn man Glück hat auch sich selbst.
Wir sind endlich wieder stolze Besitzer einer Klobrille, die ich diesmal wirklich ordnungsgemäß anbrachte und deshalb hoffentlich lange hält. Und ich habe ein Bett mit einer Kommode ersteigert, die auf Anfang 20 Jhd. geschätzt wurde, zwei schöne Stücke über die ich mich sehr freue. Ich mag diese alten Dinge viel lieber als die neuen. Sie sind nicht nur schöner, sondern haben auch mehr Gehalt [man möge mich da ruhig nostalgisch schimpfen].
Gestern las ich eine Art Zitat, in der man ein altes Ehepaar fragte, wie ihre Ehe Jahrzehnte überstehen konnte. Die Frau antwortete: Wir wurden in einer Zeit geboren, als man die Dinge noch reparierte. 

Das hat mich beeindruckt. Dieser eine Satz. Sicher trägt er auch schon Ansätze materialistischen Denkens in sich, da eine Beziehung mit einem Gegenstand verglichen wird, aber vielleicht kommen wir davon gar nicht mehr weg. Und im übertragenen Sinne verstanden, ergibt es sehr viel Sinn. 
Ich wünsche mich nicht zurück, nicht unbedingt. Ich bin eine, die sich immer mit den Dingen abfindet, also mit den Umständen [wenn ich könnte, würde ich das gerne ändern], zum Beispiel dauerte es ziemlich lange [in welchem Zeitraum hättet ihr eine neue besorgt?], bis ich die neue Klobrille angeschafft habe, da ich mich schnell daran gewöhnte; geht ja auch ohne. Und so ist es mit fast allem. Ich finde mich ab. Allein deshalb bin ich nicht rückwärtsgewandt.  Ich möchte nur gewisse mentalitäre Veränderungen kritisch betrachten und versuchen-wenigstens versuchen- in den gewissen vorgegebenen Rahmen meine eigenen Werte zu etablieren. 
Als ich diesen Satz las jedenfalls, wurde mir klar, dass es das ist, was ich schöner finde: Dinge zu reparieren. Und wenn ich es mir aussuchen darf, mir lieber einen Mann aussuche mit dem es hält, der Dinge auch lieber repariert. Damals habe ich mir nichts selbst ausgesucht. Ich muss mich von diesem selbstgemachten Vorwurf der Verantwortung befreien. Damals hab ich mir aussuchen lassen, weil es mir so beigebracht wurde, dass es sich so gehört. 
Heute möchte ich verstehen, dass die Alternative nicht sein soll, wahllos und auf Gut Glück herum zu probieren. Das ist nicht meines. 
Ich bin stolz auf diese Erkenntnis. Wenn man es so betrachtet, war ich nie begehrenswerter als jetzt, wo ich allein bin und "Nein!" sagen gelernt habe, meinen eigenen Willen entdeckt. [Irgend]Einen Mann zu haben, bedeutet nichts, bedeutet mir nichts. 

Donnerstag, 22. März 2012

Vorstellung: Virtuelle Galerie

Ich habe mich entschlossen, mich abermals zu teilen. Natürlich nicht wirklich mich, aber meine exhibitionistischen Mitteilungsbedürfnisse, die da wären:
Literarisch: Prosa
Literarisch: Lyrik
und jetzt neu:
Malerei

Alle drei Schubladen haben eines gemeinsam:
Sie erheben keinen Anspruch in diese Kategorien zu gehören. Immer steht ein entweder gedachtes oder auch gesagtes "so etwas wie" davor.
Als Anbieter habe ich mich für Wordpress entschieden. Das obwohl es mir eigentlich schwer zu verstehen aufgebaut ist, was wahrscheinlich nur daran liegt, dass ich es noch nicht gewohnt bin und neuen Designs sowieso eher abgeneigt bin [wenn ich irgendwo konservative Züge aufweise, dann in der Technik.]. Aber die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten und Spinnereien bei Blogspot haben mich dazu bewogen.

Lange Rede, kurzer Sinn, hier mein neuer Bilder-Blog, der gewitzter Weise einfach meine beiden Vornamen trägt:

Miriam Samara

Nachtrag: Ich arbeite nun an auch meinem "Umzug" von Mary am Meer zu Wordpress. Bist jetzt habe ich aber nicht genau herausgefunden, wie ich die Seite genau so umgestalten kann, wie ich es will. Deshalb erst einmal auf Probezeit:
http://maryamana.wordpress.com/
[Und irgendwie habe ich da zwei Namen und weiß nicht, wie ich sie zu einem zusammenführen soll]

Mittwoch, 21. März 2012

Ablösung

Ein Gesicht löst sich  auf den zweiten Blick in Wohlgefallen auf. Ein anderes gilt längst als gefallen.
Wir bewerfen uns mit heimlichen Blicken. Einladene Ausblicke: Geteilter Leib ist halber Leib und stille Wasser sind fies. 

Zeitgeschehen

Menschen versuchen virtuell einen echten Krieg zu verhindern. Sie schicken sich gegenseitig Liebesbekundungen. Mit Herzen. Von Herzen.
Wir wollen innehalten und uns an diesen Bildern freuen. Sie teilen. Wir wollen vergessen, dass Regierungen ausschließlich Interessen verfolgen [ihre!], dass sie die Sprache des Herzen beim regieren abgeschaltet haben, dass sie zweckgerichtet und kalkulierend denken, dass am Ende nur eine Revolution zwischen ihnen und dem Krieg stehen kann: Nur über deine Leiche!

Das ist der Anfang von etwas neuem, sagen sie. Zweifler sind unerwünscht. Wir wollen die Vorsicht über Board werfen. Einfach mal an etwas glauben. Einfach einmal mitmachen. 
Ich verkaufe keine Hoffnung. Aber wenn ich welche finde, dann teile ich sie mit jedem. Das ist mein Versprechen. 

Dienstag, 20. März 2012

In Sorge




Ein paar Punkte, die ich an Menschen liebe.

Manchmal regnet es Watte vom Himmel und dann auch noch bunte!
Wenn ich Malerei- Obsessionen halte, dann lohnt es sich nicht zu duschen.

Das sind die Wahrheiten, an die ich glaube. Und an Liebe, glaube ich auch. Aber damit ist es etwas komplizierter. Liebe ist oft: Vorliebe. Zuneigung. Verliebe. Triebe. Sorge. Bedürfnisse. Gewohnheit und Erinnerungen. Vor allem aber Projektionen.
Was bleibt? Nichts erklärbares und das ist dann Liebe. Vielleicht.

Es gibt Eigenschaften an anderen, die wir lieben. Und auch wenn sich einige meiner Beiträge anders anhören, ich mag sanfte Männer. Männer, die es nicht nötig haben, sich hart zu zeigen. Die aufpassen mit ihrem Tun und Sagen, niemanden zu demütigen oder weh zu tun. Und ich mag Frauen, die lachen können und sachlich bleiben, wenn es um emotionale Themen geht. Achja und liebevollen Spott, kann ich besonders gut leiden. Ich liebe bestimmte Funken in den Augen anderer. Und in schönen Stimmen könnte ich ertrinken. Ich finde Hälse faszinierend: unsere schwächste Stelle, die unseren ganzen Stolz trägt. Ich begehre kluge Menschen, die bescheiden sind, deren Klugheit mehr als pure Intelligenz ist, sondern ein Bewusstsein verrät, mit der sie durch die Welt laufen. Ich mag Menschen, die andere miteinbeziehen anstatt sie auszuschließen. Ich fühle mich Menschen nahe, die rot werden, wenn sie sprechen und es dennoch tun. Ich finde gut riechende Menschen [damit meine ich nicht in Parfüm gebadet] zum auffressen. Und selbstsichere sexuell erregend.
Ich mag es, wenn man Dinge ausspricht, ohne den anderen damit zu verletzen. Danach entsteht eine Nähe, selbst wenn man gerade feststellte, wie sehr man sich entfremdet hat.
Ich bewundere Menschen, die ihre Fehler zu geben. Es scheint mir dann, als wären es eigentlich gar keine Mängel. 

Montag, 19. März 2012

Wendepunkte

Das ist nicht der Schmerz eines Masochisten.
Man sieht sich.
Seine Bedürftigkeit.
Seine Leere, die die Hülle zu einer kaum erwähnenswerten Sache macht.
Entfremdung von allem zu allem.
Abgeschnitten vom Auslöser.
Im halbdunklem tapend,
der Quelle [aller Wunden] entgegen eilend. Salzwasser in den Augen und im Hals.
Der Mensch ist aus Glas, den tausend Brüche nicht brechen. Und wer sich weigert mitzumachen, der wird noch tausend mal gebrochen.

Hinter den Wehen dieses eigenen [Er]schreckens, den absoluten Tiefpunkten, keimt auf ein neues, eine Hoffnung.
Nein.
Eine Erkenntnis. Der Schmerz ist wahr. Nicht gelogen. Er ist jedoch nicht die einzige Wahrheit. 

Subtil darunter.

Ein jeder kennt seine eigenen Ungerechtigkeiten am besten und kehrt sie auch am besten selbst unter den Teppich. Selbstgerechtigkeit ist eine ekelhafte Angewohnheit, die uns nie jemand ernsthaft versuchte, auszutreiben.
Wir verbünden uns, um uns zu bestärken, tun ahnungslos, überzeugen die anderen, die Dinge aus unserer Perspektive zu sehen. Lieber vertreiben wir die aus unserem Kreis, die nicht wissen, was sie zu schweigen haben. Lieber so als anders, legen anderen falsche Worte wie Steine in den Mund und fordern sie auf, sich zu erklären. Wir widersprechen den lauten noch immer nicht und zucken zustimmend mit unseren Schultern. Und sie vermischen die Vorwürfe bunt durcheinander, verbieten ihrem Verstehen das Verständnis.
Wie viel im Schatten des Unbewussten rankt! Die, die es ahnen, die schweigen erschrocken.

Ich habe so viele Glauben verloren, es müssten eigentlich mehrere Leben sein. 

Zwischen Scham und Stolz









Sonntag, 18. März 2012

Von der Freude über trockene Zweige zu laufen

Und dann "tut man es" und fragt sich ein jedes Mal aufs neue verwundert, warum man sich das hätte entgehen lassen wollen. Ein noch in Nebel getauchtes Flugfeld, in das sich frech die Sonne drängt. Die perfekte Mischung aus Frische und Wärme. Die leere Rollbahn und daneben das nasse Gras. Die Vögel zwitschern aufgeregt. Kaum ein Mensch in Sicht. Durchatmen können. Schultern unten lassen. Die Gedanken hinter sich. Die Kraft kann fließen. Es gibt nur diesen einen Schritt vor meiner Nase. Meine Schuhe werden nass. Meine Strümpfe werden nass. Es macht nichts. Die Untergründe ändern sich. Vom schwarzem Teer zum nassen Grass, zu Asphaltplatten, die mit Moos überwuchert sind über trockene Zweige und Stöckchen, die knacken, als ich über sie laufe. Es ist ein schönes Gefühl. Eines, der Dinge, die ich vermisst habe, ohne es zu wissen. Allein dort sein, ohne etwas dabei zu haben als sich. Ohne sich ausgehfertig zu machen. Jacke, Schuhe an und raus. So wie man ist.

Auf ein Sonntagswort

Losgehen. Trotz Beklemmungen  und Bedürfnissen esoterischer Zurückgezogenheit. Die Dinge sind oft schwerer als gesagt. Die dadurch entstehende Dissonanz macht es uns nicht leichter. Reden hilft in vielen Fällen nicht und kluge Sprüche verkehren sich zu Hohn, wenn man sie jemanden in Bedrängnis gut gemeint an den Kopf wirft.
Ein Beispiel:
Trauert jemand über etwas und ihm wird gesagt: "Wenn du weißt, dass du in ein paar Jahren darüber lachen kannst, warum tust du es nicht schon jetzt?", dann sollte man sich bewusst sein, dass man ihn gerade verbal geohrfeigt hat. Dank braucht man garantiert keinen erwarten. 
Wir können uns selbst nicht voraus sein. Die Theorie bleibt immer die Theorie, auch wenn sie sicher ein wenig abfärbt. Aber ich kenne keinen Menschen, der eine kognitive Wahrheit sofort in die Sprache seiner Emotionen umwandeln könnte. Erst wenn er so weit ist, dann kann er vielleicht darüber lachen. [Und was machen eigentlich die, die wissen, sie werden niemals darüber lachen können?]

Samstag, 17. März 2012

Fest gehangen

Der voreilige Frühling bricht etwas in mir. Mit letzter Kraft renn ich in die Wälder, schmeiße mich auf ihre dunkle, feuchte Erde und rufe, den unbekannten Namen in das Echo meiner Leere. Meine allerletzten, krümligen Reste Jugend, verbringe ich mit Ratlosigkeit. Die Sehnsucht kommt mir zu den Ohren hinaus. Meine Liebe glaubt nicht an Projektionen. Sie hängt fest in den Armen eines Geistes. Sie hängt dort, wie ein störrischer Faden, der da nichts verloren hat, den niemand bemerkt. Ich kann nicht dorthin zurück und sie lösen. Ich selbst hänge fest. Es wäre Zeit gewesen. Zeit zu gehen? Zeit ein wenig Glück zu finden? Zeit Erfahrungen zu machen? Zeit zu leben.



Mary am Meer

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